Was ist Insulintherapie und wer braucht sie?

Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, das die Aufnahme von Glukose aus dem Blut in die Körperzellen ermöglicht. Bei Typ-1-Diabetes produziert der Körper kein eigenes Insulin mehr – eine Insulintherapie ist daher zwingend notwendig. Bei Typ-2-Diabetes kann eine Insulinbehandlung erforderlich werden, wenn andere Maßnahmen wie Ernährungsumstellung, Bewegung und orale Medikamente nicht mehr ausreichen, um den Blutzucker zu kontrollieren.

Die verschiedenen Insulinarten im Überblick

Nicht jedes Insulin ist gleich. Je nach Wirkdauer und Einsatzzweck unterscheidet man mehrere Kategorien:

Insulintyp Wirkbeginn Wirkdauer Einsatz
Kurzwirksames Insulin (Regular) 30–60 Minuten 5–8 Stunden Mahlzeiten, Korrekturen
Schnell wirkendes Analoginsulin 10–15 Minuten 3–5 Stunden Direkt zu den Mahlzeiten
Intermediäres Insulin (NPH) 1–2 Stunden 12–18 Stunden Basalversorgung
Langwirksames Analoginsulin 1–2 Stunden 20–24+ Stunden Basalversorgung, einmal täglich
Mischinsulin Variabel Variabel Kombinierte Versorgung

Therapieschemas: Welches passt zu wem?

Konventionelle Insulintherapie (CT)

Bei der konventionellen Therapie werden täglich ein- bis zweimal feste Insulindosen (meist Mischinsulin) zu festgelegten Zeiten injiziert. Mahlzeiten und Tagesablauf müssen sich dem Insulinplan anpassen. Diese Methode ist weniger flexibel, aber einfacher in der Handhabung.

Intensivierte konventionelle Therapie (ICT)

Die ICT, auch Basis-Bolus-Therapie genannt, ahmt die natürliche Insulinproduktion besser nach. Ein langwirksames Basalinsulin deckt den Grundbedarf, kurzwirksames Bolusinsulin wird flexibel zu den Mahlzeiten gespritzt. Diese Methode erfordert regelmäßige Blutzuckermessungen und gutes Diabeteswissen, bietet aber deutlich mehr Lebensqualität.

Insulinpumpentherapie (CSII)

Eine kleine Pumpe gibt kontinuierlich Basalinsulin unter die Haut ab. Bolusgaben werden per Knopfdruck abgerufen. Moderne Systeme können sogar automatisch auf Glukosemesswerte reagieren.

Richtige Injektionstechnik

Für eine gleichmäßige Insulinwirkung ist die korrekte Injektionstechnik entscheidend:

  • Injektionsstellen: Bauch (schnellste Resorption), Oberschenkel, Po und Oberarm – regelmäßig wechseln
  • Tiefe: In das Unterhautfettgewebe, nicht in den Muskel
  • Nadeln: Einmalnadeln nach jeder Injektion wechseln
  • Lagerung: Angebrochene Insulinpens bei Raumtemperatur lagern, Vorräte im Kühlschrank

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken

Die häufigste Nebenwirkung der Insulintherapie ist eine Hypoglykämie (Unterzuckerung), wenn zu viel Insulin gespritzt wurde oder eine Mahlzeit ausgelassen wird. Symptome sind Zittern, Schwitzen, Herzrasen und Konzentrationsprobleme. Schnell wirkende Kohlenhydrate (z. B. Traubenzucker) schaffen schnelle Abhilfe.

Weitere mögliche Probleme sind Lipohypertrophien (Fettgewebsverdickungen) an häufig genutzten Einstichstellen – ein Grund mehr für regelmäßigen Wechsel der Injektionsstellen.

Fazit

Die Insulintherapie ist für viele Menschen mit Diabetes ein unverzichtbarer Teil ihres Alltags. Mit dem richtigen Wissen über Insulintypen, Therapieschemas und Injektionstechnik lässt sich der Blutzucker gut steuern und die Lebensqualität erhalten. Sprechen Sie immer eng mit Ihrem Diabetesteam zusammen, um die für Sie passende Therapie zu finden und anzupassen.